Hashimoto – muss ich jetzt sterben?

Der Tod kommt über Nacht – ?

Februar 2007, es ist Nacht – ich erwache unruhig in meinem Bett, mir wird heiß, wälze mich hin und her. Irgendwie bekomme ich keine Luft, werde  immer unruhiger und stehe auf. Mache das Fenster auf, da ich immer mehr Druck auf meiner Brust verspüre. Was ist das, verdammt!!!

Ich denke langsam, ich ersticke – Hilfe…

Es wird immer schlimmer, mein Herz rast, ich fange an zu hyperventilieren. Das ganze zieht sich noch so eine Stunde hin, bis mich mein damaliger Freund im Wohnzimmer hechelnd auffindet und sofort den Notarzt ruft.

Sie haben nur hyperventiliert, haben Sie Stress? …

Der Notarzt trifft ein und vermittelt mir nicht gerade einen beruhigenden Eindruck mit seinem Ausspruch „Sie haben nur hyperventiliert, haben Sie Stress?“ Ähm, nein! Ein paar beruhigende Medis und schon war ich im Schlummerland, alles war gut – oder war es doch nicht?


Nein – die Odyssee begann!

Solche nächtlichen Überraschungen begleiteten mich nun fast täglich, so dass meine Angst zu sterben immer größer wurde. Schon hypochondrisch gesellten sich etliche andere Wehwehchen hinzu. Mein Gleichgewichtssinn geriet ins Wanken, täglicher Schwindel und Laufen wie auf Watte – toll, steife Muskeln, niedriger Blutdruck, Herzstechen und vieles mehr.

Ich lief von Arzt zu Arzt
  • MRT – vielleicht haben Sie MS oder einen Hirntumor…
  • Physiotherapeut – ja Sie sind hypermobil …
  • HNO – ja wir müssen mal Ihre Ohren spülen (wie bitte?) …
  • Zahnarzt – Sie brauchen eine Beißschiene …
  • Psychiater – Beruhigungsmittel …

Nichts! Es ging mir nicht besser. Im Gegenteil, es wurde immer schlimmer.

Zwei Jahre rannte ich von einem Artz zum nächsten und keiner wollte auch  nur im geringsten genauer hinsehen. Zudem wurde ich immer dicker und dicker, 20 kg in zwei Monaten, beachtlich. Ich aß nicht anders oder viel oder falsch, oder doch? Meine Ernährungsumstellung folgt!

Ich fühlte mich machtlos, hilflos und in meinem eigenen Körper gefangen

Ich war am Ende und konnte irgendwann nichts mehr tun, nichts machte mehr Spass und ich lag nur noch im Bett, ich dachte ehrlich

 

Ich muss sterben …

Und an dieser Stelle kann ich Euch sagen, ich verstehe Leute, denen es so schlecht geht und auch bestimmt schlechter als es mir ging, die an Beamtmunsgeräten liegen und einfach nur noch schlafen wollen und von dieser Welt gehen möchte. Auch ich hatte ehrlich gesagt diese Gedanken.

„Lass es einfach aufhören – nimm mich Gott!“

Eines morgens, als mein Freund mich animieren wollte, mit ihm shoppen zu gehen und mir sogar mein Lieblingsparfüm kaufen wollte, sagte ich zu ihm:

„Nein, es tut mir leid, aber ich möchte nicht shoppen. Was ich wirklich möchte, ist gesund sein, das ist alles. Und da es nicht mehr so aussieht, als würde es jemals anders werden, bitte Gott, nimm mich zu Dir, es ist ok. Ich weinte bitterlich. Ich sterbe lieber, als dass ich so ein Leben führen würde. Das ist kein lebenswertes Leben, es ist okay, ich bin bereit. Ich schloss meine Augen und akzeptierte, wohl zum ersten mal, dass ich krank bin und dass es das Ende ist.

 

 

 

Ein Funken Lebenskraft …

Doch am nächsten Tag erwachte ich mit einem Lächeln im Gesicht. Die Sonne strahlte zum Fenster hinein und irgendetwas in mir bäumte sich auf und entschied sich zu leben.

Ich nahm mein Leben selbst in die Hand …

lief noch einmal zu meinem Psychiater, der meinte, „Du Mädchen, Du hast nichts schlimmes (ha ha ha), jedenfalls brauchst Du keine Psychopharmaka. Lass Dir die Schilddrüse untersuchen“. Ein weiser Mann, ich danke ihm heute dafür.

OH – gesagt getan, na so einfach war es dann auch nicht. Drei Monate Wartezeit, aber ich war guten Mutes. Ich fing an mich zu informieren, zu recherchieren, bin in diversen Foren gelandet. Wenn Du mehr wissen willst, klicke HIER!

Ich war nicht allein …

Nicht allein zu sein, bedeutet eine Menge. Nicht allein sein mit seinen Ängsten, mit seinen depressiven Phasen und mit seiner Krankheit, Leute kennenzulernen, die die gleichen Höllenqualen durchlebt haben und die es geschafft haben. Sie haben mir Mut gemacht.

 

 


Die Diagnose stand fest –

HASHIMOTO Thyreoiditis
eine Autoimmunerkrankung. Das heißt nicht (was sehr oft publiziert wird), Deine Schilddrüse ist krank, sondern das Immunsystem. Es erkennt Deine Schilddrüse als Feind und bildet Antikörper, quasi Soldaten, die auf Zerstörung der Schilddrüse aus sind. Nicht gerade die feine Art, oder?

 

Das ganze Stoffelwechssystem ist betroffen, die Versorgung der Zellen mit Mikronährstoffen (Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, sekundäre Pflanzenstoffe etc.). Wir sind ein großes vernetztes System und wenn ein Teil seine Arbeit nicht richtig macht, wirkt es sich natürlich auf das gesamte System aus.

Ich bekomme Hormone – ein Leben lang, oh nein! …

Ich bin dem Erfinder der Schilddrüsenhormone so unendlich dankbar, ich verbeuge mich. Jedenfalls damals tat ich das. Ich war wie  ausgewechselt. Konnte wieder aufstehen, mich an Dingen erfreuen, die Lebenslust kehrte wieder. Das Gewicht sank. Yeah.

Bleibt das jetzt so? …

Naja zehn Jahre habe ich versucht, mit Tabletten eine lebensqualitative Einstellung meiner Schilddrüse zu erreichen. Es ging auf und ab, aber diesen richtigen Wohfühlmodus habe ich nie erreicht – nicht mit Tabletten, aber auch nicht so wirklich ohne. Ich probierte alle möglichen Dosen aus, unabhängig davon, was Ärtze mir rieten, ich bin in meinem Körper und hey, ich weiss wohl am besten, wie ich mich fühle – kein anderer!

Auch diese Berg- und Talfahrt machte mich wieder traurig, depressiv und vor allem auch agressiv. Ich war launisch und zickig und hätte ich nicht so einen starken Partner an meiner Seite gehabt, wohl auch allein jetzt.

Die Tabletten haben auch ihre Nebenwirkungen,

also beschloss ich nach alternativen Methoden Ausschau zu halten, fing an zu lesen, suchte einen Heilpraktiker auf und begann an mir zu arbeiten.

„Eigenverantwortung“ ist das Stichwort! Ich erkannte, dass wir alle Natur sind und dass unsere Energie und Lebenskraft immer fließen will und unser System (der Körper) immer darauf bedacht ist, uns zu heilen, uns das bestmögliche zu geben, wir müssen nur mit machen. In der Heilkunde steht die Schilddrüse oder ihre Dysfunktion für etwas Unausgesprochenes in unserem Leben. Wir haben nie gelernt, unsere Gefühle einmal wirklich auszusprechen, besonders in der Kindheit, wenn wir irgendwelche Dinge (über unsere Eltern z.B.) nicht weitererzählen durften oder wollten, aus Angst ihre Liebe zu verlieren. Das baut unheimlichen Druck auf, Ängste und Stress, was sich wiederum auf die Schilddrüse legt.

Zuviel Stress im Jetzt und keine eigene Selbstverwirklichung im Erwachsenenalter prägen diese Krankheit weiterhin, man fühlt sich minderwertig und verliert den Mut, ist enttäuscht von sich selbst. Befreie Dich von den eigenen Fesseln und schreie Deine Gefühle hinaus in die Welt, lass es raus, gib den Schmerz ab, zurück! Übernehme nicht den Schmerz Deiner Eltern oder anderer Personen! Aber dazu später mehr.


Und genau das war es …

Ich nehme mein Glück jetzt selbst in die Hand, auch wenn es mir manchmal Angst macht, ich atme tief ein und sage  meiner Angst, okay Baby, wollen wirs versuchen?

Ich habe erkannt, wozu meine Krankheit gut war und dass es ein Glück für mich war, sonst hätte ich mich vielleicht nie zu diesem Menschen entwickelt, der ich heute bin. Also alles hat seine guten Seiten. Ich bin dankbar, dafür dass ich das Geschenk bekommen habe, tiefer zu gehen und mich selbst kennenzulernen. Es muss nicht immer eine Krankheit dafür notwendig werden, aber meist ist es genau die Chance, mit der der Körper mit uns spricht.

Es ist jeden Tag eine aufregende Reise, begleitet mich und werdet ein Teil davon oder lasst mich wissen, wie es Euch ergangen ist und was Euch zum inneren Wandel geführt hat,

JA zum Leben, JA zum Sein zu sagen!

Vielen Dank für Eure Zeit, Namasté

Vego

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.